Open Landscape
Peter Dreher, Friederike Jokisch, Josef Schulz, Thomas Wrede
21.05. – 31.07.2010

Längst ist Natur zur Landschaft geworden. Seit der Romantik ist Landschaft darüber hinaus eine ästhetische Position. Was aber ist Landschaft heute für den modernen Menschen? Die thematische Ausstellung „Open Landscape“ der Galerie Wagner + Partner stellt hierzu generationsübergreifend fotografische und malerische Ansätze gegenüber. Ausgangspunkt ist bei den beteiligten Künstlern die reale Landschaft.

Die Arbeiten von Thomas Wrede und Josef Schulz gewinnen ihren Reiz aus der Spannung zwischen fotografischer Wirklichkeitsabbildung und deren Weiterführung durch Inszenierung oder Intervention. Wrede kombiniert in seiner gleichnamigen Serie „Real Landscapes“ die natürliche Schönheit der Landschaft mit einer Inszenierung von Modellbauelementen. Die so fotografierten Landschaftsbilder wirken verführerisch glaubwürdig und überhöhen die romantische Projektion.

Auch Schulz zielt mit digitalen Interventionen in seinen Naturaufnahmen der Serie „Terraform“ auf eine ästhetische Überhöhung und Idealisierung. Durch das Eliminieren menschlicher Spuren rekonstruiert er die verlorene Ursprünglichkeit der Natur und schafft damit „innere“ Bilder des Menschen von der Landschaft.
Von der vorgefundenen Landschaft ebenfalls ausgehend, wirkt Peter Drehers „Schwarzwaldlandschaft“ idealtypisch. Fast scheint sie in der Tradition der Heimatmalerei zu stehen. Bei genauem Hinsehen jedoch sind die einzelnen Tafeln des Bildes nach Tagen und Uhrzeiten geordnet. Jedes Einzelbild dokumentiert nur das, was der Maler zu genau diesem Zeitpunkt sah und malerisch festgehalten hat. Erst in der Zusammenschau entsteht ein völlig abstraktes Bild von Landschaft als einem Raum-Zeit-Konstrukt.

Das zentrale Thema der Rauch-Schülerin Friederike Jokisch ist die Landschaft jenseits der tradierten Idylle. Ihre großformatigen Pastellmalereien lassen den Umformungsprozess der Natur zur Landschaft spürbar werden. In eindringlichen Bildern wird „Landschaft“ entmystifiziert und stattdessen werden die Brüche und Verfremdungen zwischen Kultur und Natur thematisiert.
Die Ausstellung stellt bewusst mehr Fragen und versucht weniger Antworten zu finden. Zugleich führt sie das Thema der vorangegangenen Ausstellung „Der geheime Garten der Nachtigall“ im erweiterten Kontext fort.

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Der Geheime Garten der Nachtigall
Claas Gutsche & Sebastian Nebe
12.03. - 02.05.2010

„Blair Witch Project“ oder der Märchenwald der Gebrüder Grimm – der Wald bleibt eine anarchische Insel inmitten der Zivilisation. Ort des Geheimnisvollen und der dunklen Ahnung. Zugleich Rückzugsort vom Lärm des Alltags und Projektionsfläche der inneren Verfassung.
In der ersten gemeinsamen Ausstellung der Absolventen Sebastian Nebe (*1982, HGB Leipzig) und Claas Gutsche (* 1982, Royal College London) entsteht ein solcher Ort jenseits der gängigen romantischen Sichtweisen in der Galerie Wagner + Partner.
Die großformatig angelegte Malerei in Öl auf Papier von Sebstian Nebe zeigt karge Waldausschnitte und Zivilisationsrelikte. In ihren Dimensionen vermitteln die Arbeiten das Gefühl im Wald zu stehen, allerdings ohne Orientierung. Die ins Grafische gesteigerten Arrangements verstören. Wie schon in seiner Installation „ Die Schwarze Hütte“ ausgestellt in der Galerie der HGB Leipzig 2009, entwirft Nebe eine beunruhigende Realität des Waldes, eine Schattenwelt im fahlen Licht.
Auch Claas Gutsche richtet sein Augenmerk auf den Grenzbereich zwischen Zivilisation und Natur. Seine Serie „suburbia“ sind düstere Linol- oder Holzschnitte, die das Unbehagliche dieses Niemandslandes spürbar machen. Unter der Oberfläche idyllischer Plätze verbergen sich Vergangenes und Geheimnisvolles. Diese metaphorische Aufladung setzt sich in seinen Bronzeobjekten fort. Hier kahle Äste, dort verlorene oder vergessene Gegenstände wie ein Armband, ein Vogelnest – all diese Elemente durchsetzen den Galerieraum und verwandeln ihn.
Eingebettet in eine installative Gesamtkomposition erzählen die Werke der beiden Künstler Claas Gutsche und Sebastian Nebe ihre je eigenen mysteriösen Geschichten und lassen gemeinsam die Galerie zu dem „geheimen Garten der Nachtigall“ werden.
Presse: http://www.tagesspiegel.de/kultur/art772,3079996

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Ilka Halso
Restoration
15.01.- 06.03.2010

Aus dem Wetter ist das „Klima“ geworden, aus dem Klima die „Klimakatastrophe“ – eine nicht mehr aufzuhaltende Bedrohung unserer natürlichen Grundlagen ist seit Jahren Thema globaler Diskussion. Der international renommierte finnische Fotokünstler Ilkka Halso (*1965) beschäftigt sich in seinen Werken seit gut zehn Jahren mit der Heilung und Rettung bedrohter Natur. Seine fotografischen Interventionen sind daher nicht nur die finnische Fortsetzung der seit den 60er Jahren in den USA entstandenen „Landart“, sondern auch eine Reaktion auf die Veränderung unseres Planeten.

Die Ausstellung bei Galerie Wagner + Partner will Halsos ästhetischen Ansatz nachzeichnen, Natur zu retten. In den Werken der Serie „Restoration“ entwickelt und baut der Künstler pseudowissenschaftliche Arrangements, in denen er beispielsweise Bäume mit transparenter Gaze einrüstet und beleuchtet. Einem Feldbett gleich wird hier Natur „verarztet“, der beschädigte „Patient“ wird medizinisch versorgt. Alle Fotos entstehen bei Nacht, wenn die Natur sozusagen ihren heilsamen Schlaf findet.

Eine Verschiebung dieses Heilungsansatzes zeigt sich in der späteren Serie „Museum of Nature“. Jetzt wird Natur nicht mehr behandelt, sie wird „gerettet“. Der Betrachter findet Bäume und ganze Landschaften in gläsernen Pavillons. Einem Kunstwerk gleich wird die Natur in einem Museum aufbewahrt und konserviert.

Ist der Patient zur Mumie geworden? Die Frage muss offen bleiben. Während Ilkka Halso für seine Restoration-Serie noch direkt in die Natur eingreift (fotografische Installation), so konstruiert er seine die Natur schützenden Bauten am Computer (digitale Konstruktion) in der Museum-Serie. Ob dies Hilfe oder Teil der Bedrohung ist, wird nicht wirklich beantwortet. Auf der Ebene der Ästhetik bleibt die Vorgehensweise des Künstlers alle Mal reizvoll.

Presse zur Ausstellung:
"Windbruch mit umhülltem und strahlendem Findling", Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung, 26.01.2010

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Eckart Hahn
Intimate Play
06.11.2009 – 09.01.2010

Die Galerie Wagner + Partner freut sich, erstmals das Werk des 1971 in Freiburg geborenen Malers Eckart Hahn in Berlin zu zeigen.
„Intimate Play“ (Kammerspiel) führt assoziativ durch eine Reihe von Bildern, deren eigenartige Farbigkeit und Stimmung den Betrachter kalkuliert berührt und deren realistische Darstellungsweise zwischen surrealistischer und jüngster neofigurativer Malereitraditionen oszilliert. Doch was unterscheidet Hahns Werke von denen der Surrealisten oder etwa den Vertretern der Leipziger Schule?
Eckart Hahn konstruiert kammerspielartige Szenen in dramatischer Weise. Er setzt sich mit den Zwängen zivilisatorischen Lebens, mit Religion, Familie, sozialen Strukturen und deren Auflösungserscheinungen auseinander. Durchdringt man allerdings die vom Künstler gegebene Bildkonstruktionen, so bleibt nichts als Verwirrung zurück. Es gibt „Angebote“ (Symbole, Szenen, Worte) und diese werden formal wie farblich auf zugängliche Weise vermittelt. Aber wohin zielen sie?
Chiffren und Zitate wie „Nike“ oder Graffiti verorten die Bilder in der Gegenwart. Es geht um uns. Aber ist einem von uns je passiert, was Hahn auf seinen Bildern darstellt? Das Betrachten seiner Bilder ruft im Betrachter weniger eine Erinnerung oder ein Wiedererkennen aus, als vielmehr ein Aufgeschrecktsein. Anstelle eingängiger Geschichten begegnen wir Unterdrücktem, das tief im Inneren schlummert, dessen bewusster Wahrnehmung wir uns aber bisher verweigern. Eckart Hahn lotet den Raum zwischen Traum und Alptraum aus, den Zwischenbereich, wo wir uns aufhalten, wenn unser Tagbewusstsein seine dirigierende Macht nicht entfaltet.
Den Weg in diesen Zwischenzustand weist uns Hahn durch eine formale wie inhaltliche Bildsprache, mit der wir vertraut sind, die aber in ihrem Zusammenklang nicht nur ungewöhnlich ist, sondern bei ihm über die Jahre zu einer eigenen Bildsprache gefunden hat. Der Künstler selbst gibt einen Vergleich: seine Bilder seien wie ein wackelnder Zahn. Man spielt daran, es tut weh und trotzdem macht man fasziniert weiter.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: Eckart Hahn, "Grand Ouvert", Kerber Verlag, 2009.


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Ina Geißler
Twister
11.09.- 31.10.2009

Die Kraft von Tornados löst bestehende Ordnung auf, Bekanntes und Vertrautes wird unerwartet durcheinander gewirbelt.
In ihrer Ausstellung Twister zeigt die Berliner Künstlerin Ina Geißler großformatige Malereien und Papierarbeiten aus ihrer neuen Serie Dichtung. Die Darstellungen von Gittern und Kugeln werden hier miteinander verschränkt: Das Gitter als Ornament ist seriell und somit grenzenlos fortsetzbar. Die Kugel dagegen, als geschlossene Form, ist hermetisch und begrenzend. Aus der Verbindung dieser konträren Formen entstehen Räume, die sich in Rotation befinden und den Betrachter spiralenförmig anziehen. Bruchstücke urbaner Architektur lassen sich in diesem Wirbel nur noch erahnen.
Geißler zerlegt bestehende Architekturen und setzt sie im Baukastenprinzip neu zusammen. Im Malprozess verselbständigt sich das fotografische Vorbild. Es deutet sich nur noch assoziativ an, wird fragmentarisch. Der gegenständliche Ursprung der Motive löst sich auf zu einem abstrakten Bild, in dem die räumlichen Koordinaten von oben und unten, innen und außen, nah und fern nicht mehr existieren. Ein neues Raumgefüge entsteht, aufgebaut aus komplexen Schichten, die Geißler sukzessiv in Eitempera aufträgt. Mal fließen die Farben ineinander, mal grenzen sie sich kantig ab.
Das Ergebnis ist eine futuristische Architektur, die ihr Gegengewicht in den pastos aufgetragenen Pinselflächen der matten und gedeckten Farben findet. Die Verbindung von architektonischem Raum mit sinnlicher Malerei ist ungewohnt und dynamisch. Gern folgt das Auge den Wirbeln, um schließlich einen neuen Erfahrungshorizont zu entdecken.
Ina Geißler (*1970) lebt in Berlin, wo sie als Meisterschülerin von Prof. Marwan an der Universität der Künste abschloss. Nach zahlreichen internationalen Ausstellungen und Auszeichnungen ist „Twister“ die erste Präsentation in der Galerie Wagner + Partner.
Die Ausstellung findet in Kooperation mit Patrick Heide Contemporary Art, London statt.

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One step beyond reality.
Fotografien von Eva Lauterlein, Josef Schulz, Natascha Stellmach, Raïssa Venables und Thomas Wrede
17.07. – 05.09.2009

Galerie Wagner + Partner freut sich, in ihrer diesjährigen Sommerausstellung 5 internationale Fotokünstler zu präsentieren, die sich auf verschiedene Weise mit der Frage nach dem Wahrheitsgehalt von Fotografie beschäftigen.

Raissa Venables (USA) und Josef Schulz (Deutschland) befragen und hinterfragen Architektur und Raum. Während Venables auf bekannte Weise durch Fotocollagen Räume auf ihren psychischen und emotionalen Charakter hin befragt, macht Schulz durch digitale Reduzierungen Architektur in ihren Grundzügen erst wieder sichtbar.
Thomas Wrede (Deutschland) führt seine Serie „Real Landscapes“ fort, indem er Modelle und realer Landschaft so inszeniert, dass das fertige fotografische „Bild“ für den Betrachter offen lässt, welche Realitätsebene hier abgebildet wird. Ebenso verschränkt Natascha Stellmach (Australien) die Bedeutungsebenen fotografischer Abbildung, wenn sie Textauszüge ihrer Tagebücher mit inszenierten Portraits eines Mädchens verbindet; hier wird ein Bedeutungszusammenhang suggeriert, der nie bestand.
Eva Lauterlein (Schweiz) schließlich befragt die „Echtheit“ moderner Portraitfotografie, die nie mehr „wahr“, sondern immer nur „intensional“ ist. Ihre Gesichter sind das geschickte Produkt einer aufwendigen Fotocollage, eher abschreckend als schön, doch „wirklicher“ als jedes scheinbar „echte“ Portrait.

Jeder der Künstler ruft den Betrachter auf geschickte Weise auf, seine gewohnte Betrachtung von Wirklichkeit einer Generalüberprüfung zu unterziehen und neu zu „sehen“. In der Kombination dieser verschiedenen Positionen möchte die Galerie Wagner + Partner einen Beitrag zur Befragung der eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten leisten.

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Maria und Natalia Petschatnikov
Sidewalk
Installation, Malerei
01.05. – 27.06. 2009

Die Ausstellung „Sidewalk“ rückt die unmittelbare Umgebung in den Mittelpunkt, den alltäglichen Weg durch die Stadt. Bodenkontakt ist dabei unausweichlich und trotzdem bewegen wir uns auf unbekanntem Terrain. Maria und Natalia Petschatnikov erforschen die Stadtlandschaft auf der Höhe der Bordsteinkante. Sie richten den Blick nach unten, auf die horizontale Grenze zwischen den Gebäuden und dem Bürgersteig und entdecken dabei Neuland. In der für die Galerieräume in der Karl-Marx-Allee konzipierten Installation wird die Grenze durchlässig, der Straßenbelag setzt sich im Inneren der Galerie fort und unzählige Tauben haben sich niedergelassen...
Die Zwillinge Maria & Natalia Petschatnikov (*1973) arbeiten stets als künstlerisches Duo in den Bereichen Malerei und Installation. In ihren Werken zeigt sich die Welt aus der Sicht zweier sehr eng miteinander verbundener Menschen. Verdoppelte und wiederholte Objekte werden zu Spuren einer komplexen Beziehung, welche die innere und äußere Welt zweier Menschen spiegeln.
Wo fängt die persönliche Welt an, und wo hört sie auf? Wo verlaufen heute die Grenzen zwischen privat und öffentlich, zwischen trivial und bedeutsam? Können wir uns noch verorten?
Mit dem Künstler Duo Fischli und Weiß verbindet die Künstlerinnen ihre kindliche Entdeckerfreude und die humorvolle Aufarbeitung der uns umgebenden Welt. Mit Fantasie, Witz und Hintergründigkeit werden dem Alltäglichen überraschend neue Perspektiven entlockt.
Immer wieder gelingt es beiden in ihren Malereien und Installationen alltäglichen Objekten und unspektakulären Interieurs eine neue Bedeutung zu geben. Zufällige Gegenstände werden analysiert, gemalt und aufwendig nachgebildet. Aus gewöhnlichen Dingen werden außergewöhnliche Arrangements, die neue Bedeutungsschichten freilegen. Aus Trash wird Poesie.

http://www.petschatnikov.de
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Thomas Wrede
Real Landscapes
13.03. - 25.04.2009

In Thomas Wredes schaurig-schönen Landschaftsinszenierungen prallen Naturgewalt und menschlicher Pioniergeist aufeinander. Die Fotografien sind ein intelligentes und augenzwinkerndes Spiel mit Mikro- und Makrowahrnehmung, mit Natürlichkeit und Künstlichkeit. Aus luftiger Höhe blickt man auf reale, verführerische Landschaften, die der Künstler mit kleinen Modellen in romantische Sehnsuchtsorte verwandelt. Seit 2004 hat Thomas Wrede seine Serie „Real Landscapes konsequent weiterentwickelt und damit international große Beachtung gefunden.

Die fotografische Bildkomposition ist in ihrer Dramatik durchaus mit der Malerei von Caspar David Friedrich vergleichbar. Die Präzision der Details, die sorgfältige Linienführung, die eine Weite der Landschaft suggeriert, und nicht zuletzt die stimmungsvolle Farbsetzung der Himmel erzeugen eine spröde Schönheit. Angesichts solcher Naturgewalt verliert der Betrachter schnell das Gefühl von Sicherheit. Statt schöner Erhabenheitsinszenierung entstehen eindringliche Bilder kaum erträglicher Grenzerfahrung. Vergleicht man „Das Eismeer“ Friedrichs mit Wredes Arbeit „Bergrutsch“ sind die Parallelen der Bildstimmung verblüffend.

Anstelle von Personen wählt Wrede jedoch Modelle von Häusern oder Fahrzeugen als Projektionsflächen. Sonderbar verloren und zerbrechlich wirken diese menschlichen Spuren, oder sogar deplaziert, wie der einsame Bolzplatz im Flutlicht. Was suchen die Erbauer in dieser Einöde? Oder lautet die Frage, was haben sie dort überhaupt zu suchen?
Die Fotoarbeiten von Thomas Wrede zeigen sowohl Utopie als auch Verlust.
Die archetypischen Landschaften wirken dabei ort- und zeitlos, sie spiegeln unser kollektives Bild von Landschaft wider, wie es durch künstlerische Landschaftsdarstellung tradiert und durch zahllose Medienbilder reproduziert worden ist. In Wredes Bildwelten erkennen wir diese Landschaften wieder und fühlen uns aufgehoben. Es ist als ob der Künstler für uns die Quintessenz gefunden hätte. Eine Landschaftsvision, in der Sehnsucht und Schrecken friedlich nebeneinander existieren.

http://www.thomas-wrede.de
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Josef Schulz
übergang
23.01.- 07.03.2009

Im heutigen Europa verlieren die Binnengrenzen ihre politisch und wirtschaftlich trennende Funktion. Da die Schlagbäume aber schneller verschwinden als die Barrieren im Kopf, bleiben die alten Grenzen im Bewusstsein. Die langfristigen Konsequenzen dieser geographischen Ausdehnung Europas zu einer äußerlich-funktionellen Einheit, bei gleichzeitiger kulturell-ideeller Zerrissenheit, sind noch nicht absehbar.

Für diesen komplexen historischen Wandel hat der Fotokünstler Josef Schulz überzeugende Bilder gefunden. In seiner 2005 begonnen Serie „übergang“ fokussiert er die Architektur der verlassenen Kontrollposten der innereuropäischen Grenzen. Ihrer Funktion beraubt stehen die Grenzhäuschen wie moderne Ruinen da, bewusst zeigt Schulz keinerlei Autos oder Personen. Die anonyme Zweckarchitektur zeigt sich in der umfangreichen Serie erstaunlich variantenreich.

Scharf und kontrastreich heben sich die Grenzhäuschen von einer nebulösen Umgebung ab, was ihr bevorstehendes Verschwinden umso mehr ins Bewusstsein ruft. Dieser Effekt des Verblassens ist Ergebnis einer digitalen Nachbearbeitung, durch sie tritt der Hintergrund zurück. Die Grenzlandschaft wird unkonkret und austauschbar. Durch das Verschleiern des Kontextes werden die Grenzposten zum Modell reduziert, ein Auslaufmodell. Gleichzeitig erscheinen sie aber auch als Mahnmale für die einstige Trennung und erinnern an das noch nicht Erreichte. Sie markieren den Übergang von Vergangenheit und Zukunft.

Mit „übergang“ zeigt Josef Schulz einen weiteren konsequent durchdeklinierten Werkblock in der Tradition der Becher-Schule, der er sich als Ruff Meisterschüler verbunden fühlt. Ebenso wie in seinen Serien „Centre Commercial“, „Sachliches“ oder „Formen“ setzt der Künstler zusätzlich zur dokumentarischen Reihung digitale Mittel ein, um architektonische Klarheit zu erzeugen. Der dokumentarische Kern verdichtet sich. Die sichtbaren Manipulationen auf den Fotografien mindern den Realitätsgehalt des Dargestellten nicht. Im Gegenteil: der fotografische Übergang, den Josef Schulz beschreitet, dient der Wahrheitsfindung.
http://www.josefschulz.de
Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Galerie Heinz-Martin Weigand, Ettlingen statt.
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Raïssa Venables
Maybe too lofty?
05.12.2008 – 17.01.2009

Seit der Renaissance sind wir gewohnt, Räume in der Malerei perspektivisch zu sehen. Was sich im Italien der Vorrenaissance mit einer neuen Raumauffassung bei Giotto langsam herausschält, findet bei Brunelleschi seinen Höhepunkt in der Erfindung der Zentralperspektive um 1420. Der Bildraum wird mathematisch auf einen Fluchtpunkt hin konstruiert. Die bildgemäße Anordnung aller Gegenstände darin entspricht einer illusionistischen Wiedergabe der Wirklichkeit. Dies ist auch bei der später aufkommenden Fotografie nicht anders; die mathematische Konstruktion wird durch die Gesetze der optischen Linse ersetzt.

Raïssa Venables Arbeiten durchbrechen die fotografischen Gesetze der Optik, indem die Künstlerin mithilfe digitaler Bearbeitung und Intervention sich eine neue Freiheit im Umgang mit der Gestaltung des Bildes verschafft. Die Werke von Venables erinnern an die mittelalterliche Bedeutungsperspektive. Räume und Gegenstände sind entsprechend ihrer geistigen Bedeutsamkeit und nicht der natürlichen Beschaffenheit dargestellt. Dies wird unterstützt durch eine expressive Farbwahl der Künstlerin.
Was formal wie ein Rückschritt in der Auseinandersetzung mit Räumen erscheint, ist bei Venables Programm: spielten ihre frühen Arbeiten vor allem in privaten, eher intimen Räumen, so zeigt die Künstlerin in ihrer neuen Ausstellung große und öffentliche Orte. Profane wie sakrale Räume sind das Thema von „Maybe too lofty?“ Der unbewussten Erfahrung, die wir in solchen Räumen machen, geht Venables mit hoher Sensibilität nach und verleiht ihnen Ausdruck. Die Künstlerin spürt den Orten nach und findet zu einer neuen „Bedeutungsperspektive“, die viel mehr einem anthropologischen Sehen entspricht.

Ihre neusten Arbeiten sind von formaler wie farblicher Eleganz. Sie führen uns durch große Bahnhofskathedralen, hinein in jahrhunderte alte Kirchen und verborgene Tempel. Alle Orte sind „lofty“ (erhaben). Man muss nur sehen können. Mit ihrer neuen Einzelausstellung schenkt uns Raïssa Venables ein Stück Sehen zurück.



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Helena Blomqvist
The last Golden Frog
17.10. – 29.11.2008

Die Fotocollagen von Helena Blomqvist (* 1975) sind komplexe Gewebe aus Figuren, Requisiten, Symbolen und Zitaten. Eine spannende Mischung aus philosophischer Betrachtung einerseits und schrägem Humor andererseits. Ihre besondere Magie entfalten die Fotos jedoch dann, wenn die arrangierten und digital bearbeiteten Szenen plötzlich so gegenwärtig erscheinen wie die Umgebung, in denen die Fotos hängen. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion scheint zu fließen. Geradezu spielerisch kann der Betrachter zwischen den Ebenen von Wirklichkeit und Imagination wechseln. Schöner hat auch Astrid Lindgren ihre Leser nicht in neue Welten entführt.
Es war einmal... Eine Szenerie wie im Märchen. Ein blütenumrankter Junge sitzt wie ein Ritter auf einem Lama. Vor ihm hockt als sein Begleiter ein bekleideter Affe, und gemeinsam blicken sie einem Abenteuer entgegen. Trotz einer märchenhaften, teils bizarren Anmutung ist unterschwellig eine nahende Katastrophe spürbar. Jedes fotografische Arrangement der Künstlerin zeigt ein Drama in einer speziellen Situation. Wie in einer unvergänglichen Momentaufnahme des Lebens sehen wir Aufbruch, Trauer, Kameradschaft - und immer wieder Dunkelheit.
Wie schon in ihren früheren Serien greift Helena Blomqvist kulturelle Archetypen unseres kollektiven Bildgedächtnises auf. Die Referenz zur fotografischen Praxis des 20. Jahrhunderts zeigt sich z. B. in dem standardisierten Gruppenbild mit Soldaten, sowohl im Arrangement als auch in der Farbgebung. Wären die Protagonisten keine Affen, könnten die Bilder einem Fotoalbum des 1.Weltkrieges entnommen sein. Oder haben wir es doch mit einer Szene aus „Planet der Affen“ zu tun? Blomqvist legt viele visuelle Fährten. Am Ende jedoch wird plötzlich der Blick wieder frei für die Mechanismen der Erinnerung durch Fotografie. Es ist gewesen...
Helena Blomqvist wurde bisher sehr erfolgreich in Skandinavien gezeigt, die Galerie Wagner + Partner präsentiert ihre erste Einzelausstellung in Deutschland im Rahmen des „3. Europäischen Monat der Fotografie“.  

Ein Katalog zur Serie ist in der Galerie erhältlich.

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I just wanted you to love me
Peter Dreher, Natascha Stellmach & SPAM the musical
05.09. – 11.10.2008
Was wäre die Popkultur ohne ihre unsterblichen Toten? Ist der Tod selbst schon Pop?

Vor Kurzem erlangte die Künstlerin Natascha Stellmach Asche des 1994 aus dem Leben geschiedenen Nirvana-Bandleaders Kurt Cobain. Die hierdurch inspirierten fotografischen Arbeiten und Objekte thematisieren Selbstmord, Nahtod und nicht zuletzt die Frage, was nach dem Tod bleibt. „Set me free“ wurde in die auf einem Scanner liegende Asche geschrieben. Ein ins Grau verlaufender Text beschreibt auf halluzinogene Weise die Begegnung von Kurt Cobain, Adolf Hitler, Diane Arbus und den Gebrüdern Grimm in der Twilight Zone. Und in einem antiken Silberetui mit der Gravur „Gone“ wartet ein Joint aus Asche und Hasch auf das erlösende Ritual.

Seit einigen Jahren beschäftigt sich auch Peter Dreher mit dem Tod, vordergründig. Der weltbekannte Maler der Gläserserie „Tag um Tag guter Tag“, die seit 1974 den immer selben Gegenstand thematisiert, besprenkelt meterlange Papierbahnen mit Totenköpfen. Auf den Gouachen tritt die signifikante Form des Schädels aus den verlaufenden Flächen hervor. Erst im Kontext des markanten Umrisses erhalten die abstrakten Farbflächen Bedeutung. Durch die serielle Häufung wird der Tod bei Peter Dreher abstrakter und verliert seinen Schrecken. Grinsen seine Schädel nicht sogar?

Spam dagegen scheint unsterblich und feiert in diesem Jahr den 30. Geburtstag. In dem Cross-Media Projekt „SPAM the musical“ wird Spam von Boris Eldagsen zum Thema und zur Methode in der Kunstwelt erklärt. Zwei Jahre wurden Spams gesammelt und typisiert, um dann zu Scriptvorlagen für Kunstvideos zu werden. In sechsminütigen Videos mit Titeln wie „The Lonely Girls“ oder “The Lottery” wird der Spamtext auf unterhaltsame Weise gesungen und seine Versprechungen operettenhaft ins Bild gesetzt. Doch Spam hat auch seine düsteren Seiten. Das zeigen die „deleted scenes“ im zweiten Teil, in denen rasch jede Illusionen über Liebe und Sehnsucht zerstört werden. „SPAM the musical“ kursiert im Netz, in Ihrem Spamfilter oder unter http://www.spamthemusical.com .